Rabenvögel in der Stadt: Ökologie und Bestandsentwicklung
Urbanisierung der Rabenvögel
Mehrere Korvidenarten haben im Verlauf der letzten Jahrzehnte Städte als Lebensraum erschlossen oder ihre urbanen Bestände deutlich ausgeweitet. Dieser Prozess wird als Urbanisierung bezeichnet und betrifft in Deutschland vor allem Rabenkrähe, Dohle, Elster und Saatkrähe. Städtische Gebiete bieten für diese Opportunisten reichhaltige Nahrungsquellen, reduzierte Bejagung und ein gemäßigtes Kleinklima.
Arten im Überblick
Rabenkrähe (Corvus corone)
Die Rabenkrähe ist die verbreitetste Korvidenart in westdeutschen Städten. Sie ist ein vielseitiger Generalist, der von Abfall, Kleintieren, Früchten und Aas lebt. In Parks und Grünflächen brütet sie häufig auf Bäumen. Die Art ist in Deutschland ganzjährig präsent.
Dohle (Corvus monedula)
Die Dohle ist eine koloniebildende Art, die bevorzugt in Gebäudehohlräumen, Kirchtürmen und alten Gebäuden nistet. In vielen Städten wurden Nisthilfenprogramme eingerichtet, um ihr das Brüten zu ermöglichen, da Gebäudesanierungen häufig Nistmöglichkeiten beseitigen. Der NABU empfiehlt speziell konzipierte Dohlen-Nistkästen als Ausgleichsmaßnahme.
Elster (Pica pica)
Die Elster ist ein weithin bekannter Stadtbewohner, der offene Flächen mit Gehölzen als Lebensraum bevorzugt. Ihr Nest – eine charakteristische Kugel aus Ästen – ist ein markantes Element in Stadtbäumen. Als Nesträuber steht sie gelegentlich im Konflikt mit anderen Singvögeln.
Saatkrähe (Corvus frugilegus)
Die Saatkrähe lebt in Kolonien und brütet auf Bäumen in urban-suburbanen Bereichen. Kolonien von mehreren hundert Paaren können lokale Konflikte verursachen. Der DDA dokumentiert die Entwicklung der Saatkrähenkolonien in Deutschland systematisch.
Gründe für die Stadtausbreitung
- Reichhaltiges Nahrungsangebot durch Abfall und Kompostierung
- Schutz vor Bejagung im Stadtgebiet
- Milde Temperaturen durch den städtischen Wärmeinseleffekt
- Abnahme natürlicher Feinde (Habicht, Wanderfalke)
- Anpassung an veränderte Nistmöglichkeiten